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Amper-Ammer-Radweg gestoßen. Kurze
Zeit später entdeckte ich durch Zufall im Internet die Bedeutung
dieser Markierung und habe im Internet und in Büchern alsbald
viele Informationen über den Jakobsweg gesammelt. Die Weg-Markierung
sieht übrigens für den neutralen Betrachter aus, wie eine
gelbe Sonne mit Strahlen in eine Richtung auf blauem Grund, soll
aber eine stilisierte Jakobsmuschel darstellen.
Entschluss gefasst, Anfang Mai gings dann nach intensiver Vorbereitung
endlich los, schon am Busbahnhof in München Fröttmanning
lernte ich die ersten beiden Pilger kennen und nach 1 1/2 Tagen
Anreise mit dem Bus über San Sebastian nach Bayonne und der
Bahn nach Saint Jean Pied de Port in Frankreich war es bereits eine
große Anzahl neuer Pilgerbekanntschaften.
Die erste Etappe des Caminos war dann auch gleich die schwerste
Etappe und mit 12 kg auf den Rücken ist die Überquerung
des Passes auf den Spuren Napoleons und Karls des Großen bis
nach Roncevalles ein hartes Stück Arbeit, so muss man dabei
ca. 1400 Höhenmeter überwinden. Im Frühjahr muss
man zudem mit Wetterumstürzen, rechnen, so berichteten auch
Pilger, die Tage nach uns den Pass überquerten von Regen, Nebel
und Schneefall.
Der
Camino Francés ist nicht nur ein christlicher Pilgerweg mit
einer starken spirituellen Ausstrahlung durch Spanien, der gut markiert
und mit guter Infrastruktur versehen ist, sondern auch ein Weg mit
abwechslungsreicher Natur der durch historisch interessante Städte
wie Roncevalles, Burgos, Leon und Astorga nach Santiago führt.
Um
eine Begriffsverwirrung zu vermeiden sollte man erwähnen, dass
der Camino Francés, der wichtigste Teil des Jakobswegs ist,
der von den Pyrenäen in Frankreich ( an der Grenze zu Spanien
) nach Santiago de Compostela führt. Als Jakobsweg werden aber
auch die "Wege zum Jakobsweg" benannt, die von überall
in Europa nach Santiago führen.
Von
Frankreich aus sind es insgesamt ca. 800 km nach Santiago und entlang
des Wegs findet man ein enges Netz von bernachtungsmöglichkeiten,
so dass man meist seine Etappenlänge individuell gestalten
kann.
Jedem
"sein Camino" so erhält man bei der Frage nach den
Gründen doch jedes mal eine neue Antwort. Es finden sich hier
neben christlicher Motivation auch esoterische/spirituelle Gründen
bis zu reinem sportlichem Interesse. Man begegnet hier Menschen
aller Altersklassen und aus der ganzen Welt, so konnte ich hier
Menschen aus Finnland bis Italien, von Portugal bis Russland und
auch noch weit über Europa hinaus aus Tasmanien bis Japan,
USA oder Brasilien kennenlernen. Für jeden bedeutet dieser
Weg etwas anderes, doch führt er am Ende alle zusammen und
schafft nach vielen Entbehrungen und gemeinsamen Erfolgen ein starkes
"WIR-Gefühl" unter den Pilgern. Viele Menschen sagen,
dass man den Camino daheim weiterleben soll: Offenheit, Respekt
und Rücksicht gegenüber den Mitmenschen könnten auch
in unserem Alltagsleben den Lebenswert des Menschen in unserer Gesellschaft
bedeutend steigern.
Mein
Camino gestaltete sich dann also in 31 Tagesetappen von durchschnittlich
25 km am Tag. Die günstigen Herbergen werden meist von freiwilligen
"Hospitaleros" geführt und waren entgegen anderer
Informationen durchwegs sauber und gepflegt. An die vollgestopften
Zimmer mit 6 bis 160 Betten (oft mit Stockbetten), die knappen sanitären
Einrichtungen, das Schnarchen des Nebenmann's und an das Tüten
rascheln in aller Herrgott's Früh der Frühaufsteher mit
Stirnlampe muss man sich allerdings erst gewöhnen und erfordern
viel Toleranz. Frühstück gibt es oft erst nach einem ersten
Marsch im Morgengrauen. Man wandert alleine oder in Gruppen und
lernt täglich neue Menschen auf dem Weg kennen.
An
den meisten Tagen kommt man bereits bis 14.00 Uhr in der nächsten
Pilgerherberge an, dann heißt es "Wäsche waschen"
"Duschen" "Ausruhen" oder noch etwas "Sightseeing",
um dann Abends das Pilgermahl selbst zuzubereiten oder die günstigen
Angebote der meist in der nähe liegenden Restaurants zu nutzen.
Vom ersten Tag an ist man voll mit dem Wandern und dem Drumherum
beschäftigt und es ist kaum Zeit, über die Dinge von daheim
Gedanken zu machen. Das Alltagsleben tritt schnell in den Hintergrund
und man verbringt die Zeit auf dem Camino sozusagen in einer anderen
Welt.
In
einigen "Alberguen", die von Camino-Enthusiasten geführt
werden, ist der besondere Spirit des Jakobsweges am deutlichsten
zu spüren. Dort wir oft gemeinsam gekocht und auch gemeinsame
Andachten gehalten. In vielen Orten werden auch abends Pilgermessen
angeboten. Besonders erwähnenswert war hier das Nonnenkloster
in Leon, das neben Unterkunft auch eine spät abendliche gemeinsame
Messe für die Pilger und die Schwestern angeboten hat.
Der
Camino gibt und der Camino nimmt, so eine alte Pilgerweisheit. Nach
14 Tagen ohne Blasen oder körperlichen Problemen hat mich der
Ehrgeiz dazu angetrieben, die Etappendistanz immer mehr zu steigern
und dabei einige Freunde hinter mir zurückzulassen, bekam aber
dann völlig ohne Vorwarnung eine starke Tendinitis (Sehnenscheidenentzündung)
im Fuß, mit der ich nur noch kurze Strecken unter Schmerzen
laufen konnte. So wurde ich von meinen Freunden wieder eingeholt
und ich war froh, nach einigen Tagen wieder die normalen Wegstrecken
fast ohne Schmerzen zu schaffen und bis zum Ende - mit meinen Freunden
- weitermachen zu können. Fast alle Pilger bekommen nach einiger
Zeit irgendwelche Probleme mit den Bändern, mit den Knien,
den Hüften, Rückenbeschwerden oder/und Blasen an den Füßen
und es gibt nicht wenige, die aufgeben müssen. Einige Pilger
wandern auch nur eine Teilstrecke, um dann im kommenden Jahr ein
weiteres Stück zurückzulegen.
Überraschend
war für mich das Wetter in Nordspanien. Eigentlich war ich
schon vorgewarnt, laut Statistik gibt es in dieser Region im Mai
ca. 10 Regentage und Temperaturen zwischen 8-16 Grad, trotzdem hatte
ich mich mehr auf Hitze und Staub vorbereitet. Nur drei Mal konnte
ich die Sonnencreme bis Santiago gebrauchen, dafür fast täglich
den Regenponcho.
Anfang
Juni war es dann soweit und mit Freunden aus Deutschland und Italien
sind wir an einem Sonntag Morgen in Santiago de Compostela angekommen.
Wie unter Drogen läuft man zum lange anvisierten Ziel, zur
Kathedrale. Der Jubel ist groß und alle Pilgerfreunde liegen
sich in den Armen. Als nächstes läßt man sich die
"Compostela" ausstellen, das Dokument, das offiziell die
Pilgerschaft bestätigt. Daran anschließend haben wir
die Pilgermesse in der Kathedrale besucht. Zum Brauch der Pilger
gehört auch, die Statue des Apostels Jakobus, dessen Reliquien
in der Kathedrale aufbewahrt werden, zu umarmen und zu küssen.
Dem Brauch, mit der Stirn dreimal an die Statue des genialen Baumeisters
Mateo zu klopfen, um etwas von dessen Genialität auf sich zu
übertragen, konnte man leider nicht nachkommen, da diese Statue
- wohl um weitere Schäden durch Kopfnüssen von Pilgern
zu verhindern - abgesperrt war. Schade, wer hat denn schon zuviel
an Genialität.
Nun
wird aber der Erfolg gefeiert, so nimmt man sich hier besser eine
private Unterkunft, denn in den Pilgerherbergen wird, wie in Jugendherbergen,
um 22.00 Uhr abgesperrt. Die erste Nacht dauert die Fete bis in
die Morgenstunden, am nächsten Tag endet die Party aber schon
deutlich früher.
Zu
schön um jetzt aufzuhören kann man das Ende noch etwas
aufschieben, indem man in Santiago nochmal seinen Rucksack packt
und in drei Tagesetappen zu Fuß weitere 90 km nach Fisterre,
dem mittelalterlichen Ende der Welt, aufzubrechen. Dort angekommen
verbrennt man an den Klippen der Steilküste bei Sonnenuntergang
seine Kleidung - oder auch nur Teile davon - nimmt ein Bad und sieht
den Sonnenuntergang, um dann am folgenden Tag als neuer Mensch zu
erwachen.
Hier
hat die Pilgerschaft dann ein wirkliches Ende und die Wege, die
hier so zahlreich und aus aller Welt zueinander gefunden haben,
trennen sich wieder und so manche Träne wird hier geweint.
Noch
ein Ausblick:
Auf Hapes Spuren sind derzeit weit mehr deutschsprachige Pilger
unterwegs, als noch im Vorjahr, so ist der Anteil Deutscher nun
von 15 % auf ca. 50 % der Pilger in diesem Frühjahr angestiegen.
Wie lange dieser Pilgerboom aus Deutschland anhält kann man
schwer vorhersagen. Meiner bescheidenen persönlichen Vorhersage
nach dürften mit einem stetig steigendem internationalem Interesse
und auch einen stetig zunehmenden Pilgerstrom zu rechnen sein. Der
Camino liegt voll im Zeitgeist und hat neben der spirituellen Aussage
auch eine europäische und sogar internationale Message, außerdem
befriedigt er viele aktuellen Trends, so den Trend, etwas in Natur
zu unternehmen, Sportlich aktiv zu sein, den Wunsch für längere
Zeit ein Aus zu nehmen, als auch die Suche nach Sinn und Wert in
unseren modernen hektischen Welt. Im Jahr 2010 gibt es außerdem
das nächste Heilige Jahr - wenn der Geburtstag des Jakobus
am 25. Juli auf einen Sonntag fällt - das sicher noch mehr
Pilger aus der ganzen Welt anziehen wird.
Wem es auf dem Camino Francés "zu voll" werden
sollte, und in Einsamkeit wandern möchte, dem kann man als
Alternative zum Camino Francés den Camino "Via de la
Plata" empfehlen, der von Sevilla nach Santiago führt
und inzwischen ebenfalls eine geeignete Infrastruktur mit Wegauszeichnung
und Herbergen aufzuweisen hat.
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